aufgeschrieben
von Gerhard Jenichen
Der
letzte Müller von Pahrenz wurde am 12. März
1921 in Pahrenz geboren. Er starb am 12. März 1999
nach langer Krankheit in Riesa.
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"Nachdem der Krieg schon fast über standen war,
lag an den letzten Kriegstagen die Windmühle noch unter
Beschuß. Das Rutenkreuz, das Dach und sämtliche
Fenster waren zerschossen. Etwa 10 Granaten gingen auf die Mühle
und die Nebengebäude nieder. Anfang August 1945 begann der
Mühlenbetrieb wieder unterZuhilfenahme eines Elektromotors,
vorausgesetzt es war Strom vorhanden. Es begann mit einigen anfänglichen
Pannen. Am 8. August 1945 schlug der Blitz in die Mühle ein,
wodurch eine Rute zerstört wurde. Die Ruten waren
aus Pitchpine (Pechkiefer) gefertigt, welches sich sehr leicht in
Längsrichtung spaltet. So mußte ich an ein neues Rutenkreuz
denken. Ich bestellte bei einem Holzhändler im Erzgebirge 4
Lärchenstämme für den Flügelbau. Leider wurde
nichts daraus, so daß ich zur Metallbauweise überging.
Ich bestellte in Leipzig Bilausche Ventikanten. Anfang Dezember
1947 wurden diese geliefert und noch im selben Monat angebaut. Es
wurden 24-er Bruststücke genommen und an den alten Wellkopf
und die alte hölzerne Rutenwelle gebaut.
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"Zu Beginn des Jahres
1948 lief
dann das Ventikantenkreuz im Wind. Aber Ende Januar 1948 brach eine
Rute ab. Die 24-er Bruststücke waren zu schwach. Das Rutenkreuz
mußte auf 26-er Bruststücke umgestellt werden, somit
mußte ein neuer 26-er Wellkopf und eine eiserne Rutenwelle
gegossen werden. Als Grundlage für
diesen Umbau mußte der ganze Dachstuhl erneuert und verstärkt
werden. Die Rollbahn wurde auf das Mauerwerk aufgesetzt und darüber
ein neuer Holzkranz gezimmert. Die Vordrehung durch die Windrose
wurde auf Kettenübertragung umgestellt. Die Bruststücke
wurden am Wellkopf mit Kesselblech verstärkt. Die Spitzen waren alle noch ganz und mußten nur an
die Bruststücke angeschraubt werden. Die Rollbahn wurde teils
mit neuen Kugeln und einer neuen Führungsschiene versehen.
Der alte hölzerne Bonkel und die Königswelle wurden auch
heraus genommen, um den gesamten Windantrieb in Stahlbauweise auszuführen."
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"Ende 1948 lief das
Flügelkreuz
endlich im Wind. Durch einen Generator wurde auch der notwendige
Lichtstrom erzeugt. Zu dieser Zeit gab es sehr viele Stromabschaltungen.
Über Windstärke 10 mußten die Flügel angehalten
werden, da es in der Mühle meist unheimlich wurde. Bei orkanartigen
Stürmen drehte das Flügelkreuz auch unter Belastung durch
das Bremsband durch. Nur durch Erhöhung
der Bremskraft konnte die Mühle wieder angehalten werden. Dazu
mußte man sich auf den Bremsbalken stellen. Fast immer lief
die Mühle bei ca. 3 t Leistung bis zum
April 1960. Dann kam der Sozialismus in die Dörfer und alles
Private wurde nach und nach beseitigt. Weil ich nicht in die LPG
ging, durfte kein Mitglied mehr in meine Mühle fahren. Erst
ab 1965 wurde das Verbot aufgehoben. Von diesem Zeitpunkt an konnte
ich jede Menge Futterschrot für die LPG`s herstellen. |
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 "Im
Juni 1967 wurde
die Windmühle mit neuem Außenputz versehen, da die Kriegsschäden
noch nicht beseitigt waren. Durch das Kreisbauamt in Riesa wurde
ein Baubetrieb beauftragt. Die PGH Stauchitz bekam den Auftrag.
Ein Gerüst aus Holz wurde gestellt und der alte Putz in Eigenleistung
abgeschlagen. Dies war eine Bedingung des Bauamtes, um die Maßnahme
genehmigt zu bekommen. Das Gerüststellen, Verputzenund das
Baumaterial kostete damals 5.000,00 DM. Das Streichen des Daches
und der Flügel wurde aller 5 Jahre ebenfalls in Eigenleistung
ausgeführt."
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 "Nun kam die Zeit, wo an die 100-Jahrfeier
der Windmühle im Jahr 1989 gedacht wurde. Aus diesem Grund
begannen wir Anfang 1986 mit der Reparatur der Flügel. Leider
waren diese so schlecht geworden, daß fast alle Flügelteile
erneuert werden mußten. Mit finanzieller Unterstützung
des Denkmalschutzes wurden ein Großteil der Montagearbeiten
durch Hobbybergsteiger in Feierabendtätigkeit ausgeführt.
Alle Blechteile, Dach und Ruten wurden 3 mal mit einem neuen Farbanstrich
von den Bergsteigern versehen. Im Frühjahr 1989 gestalteten
die Gemeinde Prausitz, der Dorfklub, die POS, die LPG Prausitz und
unsere Familie gemeinsam das 100-jährige Mühlenjubiläum.
Durch das Zusammenwirken aller Beteiligten war es ein gelungenes
Fest, welches von mehreren tausend Gästen besucht wurde.”
Ende |
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